Kulinarisches Gedächtnis

Meine Freundin hat mir erzählt, sie hätte ein kulinarisches Gedächtnis. Für sie bedeutet das, dass sie sich noch an jedes außergewöhnlich leckere Essen seit ihrer Kindheit erinnern kann. Was hat das mit Tieren zu tun?
Mein Mann hatte unsere beiden Hunde zweimal mit zum Supermarkt bei uns um die Ecke. Dort lagen im Gebüsch verrottete Eier. Elli wollte die natürlich unbedingt fressen. Nachdem sie zweimal weggezerrt wurde, hat sich das wohl in ihr Gedächtnis gebrannt. Am kommenden Samstag frage ich auf einmal meinen Mann, wo denn die Elli sei. Er wusste es nicht. Intensive Suche in Haus und Garten: keine Elli. Da haben wir die ganze Gegend abgesucht. Schließlich hatte eine junge Dame sie an der Leine. Ich eilte zu den beiden. Es ist leicht zu erraten, wo sie Elli gefunden hatte: vor dem Supermarkt, beim Fressen der uralten Eier erwischt. Das nenne ich ein kulinarisches Gedächtnis! Und bisher wurde aus Elli trotz der Eier noch keine Salmon“elli“, puh!

In diesem Sinne,
Ihre Tierarztfrau

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Taubenheldin des Alltags

Ich berichte immer gerne über die Helden und Heldinnen des Alltags, da ihnen zu wenig gedankt wird. Daher ist diese Geschichte für eine besondere junge Frau.

Uns rief vor ein paar Tagen besagte junge Frau an, sie habe eine verletzte Taube gefunden und fragte, ob sie sie uns bringen kann und wie sie am besten vorgehen soll. Nach einigem hin und her stellte sich heraus, dass sie in der Nordstadt unterwegs war und dort die Taube gefunden hatte. Sie organisierte gemeinsam mit einer Freundin einen Karton, setzte die Taube in ihre Jacke in den Karton und fuhr mit der Straßenbahn bis zu uns in Kessenich. Vorher hatte sie extra noch Geld abgehoben, da sie nicht wusste, dass Wildtiere von jedem Tierarzt kostenfrei behandelt werden (zumindest ist das bei uns so). Zusätzlich hat sie noch ihre erste Schulstunde geopfert, um der Taube zu helfen. Als sie schließlich bei uns ankam, war die Taube deutlich schlimmer verletzt, als sie anfangs dachte, so dass wir sie nur erlösen konnten. Dennoch hat diese junge Frau mehr getan, als viele andere Menschen – besonders in Bezug auf Tauben: Sie hat sich gekümmert.

Tauben liegen mir sehr am Herzen, daher, liebe Leser: Wenn Sie eine verletzte Taube sehen, gehen Sie nicht weiter, kümmern Sie sich. Im Zweifelsfall: Rufen Sie uns an. (Das gilt natürlich auch für andere Tiere.)

In diesem Sinne
Ihre Tauben-und Tier-vernarrte Tierarztfrau

Frau R., Alltagsheldin

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Heute erzähle ich Ihnen eine schöne Geschichte über eine Alltagsheldin. Frau R. war lange bei uns Kundin mit ihrer Katze. Als diese verstarb, hielten wir Kontakt und trafen uns vereinzelt.
An einem Donnerstag kündigte sich bei uns eine Frau mit ihrem totkranken Hund an für eine zweite Meinung. Als sie reinkam, war sie in Begleitung von Frau R. Ich ging zuerst davon aus, dass die beiden sich kannten. Als die Kundin mit ihrem Hund in der Behandlung war, fragte ich Frau R. daraufhin, woher die beiden sich denn kannten.

Da erzählte sie mir, dass die Dame ihr gänzlich unbekannt sei. Sie hatte sie jedoch auf Straße gesehen, als sie heulend und verzweifelt versuchte, ihren Hund auf dem Rad zu uns zu bringen. Kurzerhand hatte Frau R. mit ihrem Mann angehalten, die Frau samt Hund ins Auto geladen und zu uns gefahren. Und nicht nur, dass sie sie zu uns gebracht hatte – das alleine wäre ja schon unglaublich nett – sie blieb auch noch bis zum Ende der Behandlung und begleitete die Frau auf dem letzten Weg ihres Hundes. Denn leider sah die zweite Meinung meines Mannes genauso aus, wie die Meinung des ersten behandelnden Arztes, woraufhin die Halterin und mein Mann gemeinsam entschieden, den Hund gehen zu lassen.

Frau R. hat sich großartig um diese, ihr fremde Frau gekümmert. Das verdient eine eigene Blog-Geschichte. Vielleicht war das für Frau R. keine große Sache, so, wie ich sie kenne, wird das für sie selbstverständlich gewesen sein. Aber für die Halterin war sie ein einfühlsamer Mensch und Halt, so dass sie die Situation nicht alleine meistern musste. Die Welt braucht mehr Frau Rs.

In diesem Sinne,
Ihre Tierarztfrau

Katze, wechsel Dich

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Es ist ja allgemein bekannt, dass Katzen gelegentlich mehr als einen Besitzer haben. Auch wenn diese nicht untereinander voneinander wissen. So einem Fall live zu begegnen, war uns vergönnt:

Familie Meier (Namen geändert) kam mit einem vermeintlichen Fundkater zu uns, der ihnen zugelaufen war. Sie hatten ihn schon längere Zeit versorgt und er war bei Ihnen eingezogen. Als sie mit dem Kater ankamen, fiel unserer Gabi direkt auf, dass sie den Kater kannte. Wir lasen den Chip ab und er war bei Tasso registriert, jedoch nicht als vermisst gemeldet. Gabi überlegte und wir prüften unsere Datenbank nach dem Namen des Katers. Und siehe da: die Besitzerin war tatsächlich Kundin bei uns und auch mit dem Kater bereits in unseren alten Räumen zu Besuch gewesen. Wir konnten sie erreichen und sie schloss sich mit den neuen Pateneltern kurz. Sie hatte zwei Katzen und die verstanden sich nicht mehr, so war es gekommen, dass der eine nur noch gelegentlich zu Besuch kam. Er hatte sich selbst eine neue Familie gesucht.

Gabi kam schließlich auf die Idee, ihr Handy zu durchsuchen. Siehe da, sie hatte Konrad vor unserer Praxis bereits fotografiert. Auf der Suche nach einer neue Familie war er auch öfter bei uns vorbei gekommen. Eine Tierarztpraxis war ihm aber wohl doch nicht so geheuer. 🙂

In diesem Sinne einen guten Start in die Woche
Ihre Tierarztfrau

Da ist doch was im Busch

Murkel läuft immer noch in unser altes Zuhause zurück, wenn er nachts länger draußen ist. Das verhindern wir, indem er abends ab einer bestimmten Zeit drin bleibt. Nun hatten wir aber mal wieder an einem Samstag Besuch und haben unsere neuen Weine probiert. Es war ein lustiger Abend. Murkel hatte vorsorglich sein Halsband an. Einer unserer Gäste hatte ein Zelt im Garten stehen und ging wohl einige Zeit abends noch ein und aus. Dabei ist Murkel vermutlich wieder entwischt. Wir konnten am nächsten Morgen sehen, wo er war: am alten Haus.
Mein Mann, dem es nach der Weinprobe mittelmäßig ging, machte sich mit Katzenkorb auf den Weg. Da Murkel das Prozedere durch einige vorhergegangene Einfangaktionen aber bereits kannte, hatte ich meinem Mann vorsorglich gesagt, dass er den Korb nicht zeigen solle.
Er fuhr los und fand Murkel auf einem offenen Grundstück. Er sah Murkel und Murkel sah ihn – und kroch in die Büsche…. und mein Mann hinterher…nach einer Weinprobe. Die Laune stieg nicht gen Himmel. Schließlich gab er auf und stellte sich an das Haus nebenan und rief nach Murkel. Irgendwann kam eine Frau heraus und fragte sehr entnervt, was er denn suche. „Meine Katze“, war die Antwort. „Die ist hier nicht“, teilte ihm die Frau mit. Daraufhin gab mein Mann auf und fuhr nach Hause. Er wusste natürlich, dass Murkel da war. Aber gegen diese unbestechliche Logik war kein Kraut gewachsen.

Murkel
Das Ende vom Lied? Ich fuhr eine Stunde später hin und sammelte Murkel ein. Ich tat uninteressiert und ging Richtung altem Haus und rief ihn nur, dass er wusste, dass ich mich fort bewege. Vor dem alten Haus stand ich dann mit der Leckerchendose und habe gerappelt. Überflüssig zu sagen, dass er sofort da war. Den Trick dabei habe ich meinem Mann aber bisher nicht verraten. Heim kam ich als große Heldin. 🙂

Ihre Tierarztfrau

 

Elli Addison oder Dr. House, die zweite

Unsere Elli hat ja ihr Bein verloren. Während der langen Zeit des Kampfes hatte sie immer schon schlechte Blutwerte. Die jedoch erklärbar waren.

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Die Zahl ihrer roten Blutkörperchen war stark verringert, sie war schlapp, lustlos und schnell am Hecheln. Als nun ihr Bein ab war, haben wir nach vier Wochen erneut einen Test gemacht. Die Ergebnisse sollten eigentlich gut sein, waren aber immer noch schlecht.

Nun fing mein Mann doch an, sich Sorgen zu machen. Bisher waren die Werte immer erklärbar gewesen. Aber jetzt gabe es eigentlich nichts mehr, was das Knochenmark hätte beeinflussen können.
Es begann die große Suche: Wir schickten Blut ins Labor und bestimmten verschiedene Paramter, diverse Mittelmeerkrankheiten – aber alles erfolglos. Schließlich erstellten wir am White Board eine Liste und arbeiteten uns wie Dr. House von den wahrscheinlichsten Diagnosen zu den unwahrscheinlichsten durch. Schließlich machten wir einen ACTH-Test. Dabei nimmt man Blut, gibt ein bestimmtes Medikament und nimmt wieder Blut ab. Das Ergebnis war eindeutig: Elli hat Morbus Addison, jedoch eine atypische Form.
Derzeit bekommt sie nun Cortison und wir stehen in Kontakt mit einem Spezialisten in den USA, um die genaue Therapie zu erfahren. Was man allerdings jetzt schon sagen kann: Elli ist ein neuer Hund. Sie ist gut drauf, hat Spaß, läuft super mit und ist hochmotiviert.
Wir freuen uns sehr, dass wir jetzt endlich wissen, was mit ihr los ist. Und auch wenn sie jetzt nur noch drei Beine hat und zudem eine chronische Erkrankung: Unsere Elli genießt ihr Leben in vollen Zügen. Es macht einfach gute Laune, ihr dabei zuzusehen!

In diesem Sinne
Ihre Tierarztfrau

Turteltäubchen

Als Tierarztfrau bin ich per se Tier-vernarrt. Das hatte natürlich bereits in meiner Kindheit seinen Ursprung und lag vor allem daran, dass meine Eltern alle möglichen Tiere gehalten haben; unter anderem: Tauben. Und da ja doch viele Menschen besonders die Stadttauben als störend empfinden, möchte ich heute eine Lanze brechen für alle Tauben. Hier kommt eine Geschichte meiner Mutter.

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Meine Mutter hat früher Tauben gehalten. Besonders stolz war sie auf eine kleine weiße Taube mit Federfüßen. Sie war eine gute Brüterin und einfach hübsch anzusehen. Als meine Mutter eines Morgens den Schlag geöffnet hat und ihre Schar abhob, sah sie, dass noch ein anderer Schwarm vorbei flog. Abends bemerkte sie dann, dass die kleine weiße Taube nicht da war. Sie konnte sich denken, dass diese vermutlich fälschlicherweise mit dem anderen Schwarm abhanden gekommen war. Aber was konnte sie da machen?

Am nächsten Tag kam der Schornsteinfeger. Sie kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass er ebenfalls Tauben hielt. Meine Mutter klagte ihm ihr Leid mit der verlorenen Taube. Er fragte nach, wie sie denn aussähe und verabschiedete sich.
Ein paar Tage gingen ins Land, bis es eines Morgens an der Tür klingelte. Da stand der Schornsteinfeger, in einem Karton die kleine weiße Taube. Es war sein Schwarm gewesen, der vorbei geflogen war. Meine Mutter hat sich sehr gefreut.

Als sie dann aber die kleine Taube in den Schlag brachte, passierte etwas sehr rührendes. Ihr Täuberich sah seine kleine Taube, stutzte, erkannte sie und freute sich, wie man es sich nicht vorstellen kann. Er tanzte um sie herum, balzte sie an, gurrte und man konnte ihm seine unbändige Freude ansehen. Das Pärchen war wieder vereint und verliebt bis über beide Taubenohren.

Ich fand die Geschichte richtig rührend. Und wenn ich Tauben nicht sowieso schon genauso viel wert fände wie alle anderen Lebewesen, dann wäre es spätestens ab dem Moment so, als ich diese Geschichte gehört habe. Vielleicht geht es Ihnen ja auch so.
Und wenn Sie eine verletzte Taube sehen, gehen Sie nicht daran vorbei. Packen Sie sie ein und bringen Sie sie zum Tierarzt.

In diesem Sinne
Ihre Tierarztfrau